Haben wir ein Recht auf Glück?

Um es kurz zu machen: Ja.
Ja, ich glaube, dass wir Menschen, und zwar alle, ein Recht darauf haben, ein glückliches Leben zu erleben. Damit könnte ich den Beitrag schon beenden, aber ich will noch etwas differenzierter auf die Frage eingehen.

Zunächst einmal stellt sich die Frage, was ist eigentlich Glück? Mein allererster Blogbeitrag hat sich im weitesten Sinn auch mit dem Thema beschäftigt. Damals ging es um Selbstverwirklichung und mein Einlass dazu war, dass doch Zufriedenheit und die vielen „kleinen Glücks“ schon sehr erstrebenswert wären.

Ich glaube zutiefst daran, dass wir Menschen nicht auf der Erde sind, um uns durchs Leben zu quälen. Ich glaube, dass wir alle, alle Menschen auf der Welt, ein Recht darauf haben, in Frieden und Selbstbestimmung unser Leben zu gestalten. Und ich weiß, dass wir Menschen in Europa verdammtes Glück haben, dass wir hier geboren sind und Freiheit, relativen Reichtum und Sorglosigkeit genießen dürfen. Relativ deshalb, weil es natürlich auch hier nicht allen Menschen einfach gut geht. Und ich bin fest davon überzeugt, wenn wir alle nur das vom Leben nähmen, was wir brauchen, viel mehr Menschen auf der Welt glücklich leben könnten. Und ich bin fest davon überzeugt, dass es sehr unterschiedliche Formen von Glück gibt, dass wir selbst im Unglück noch Glück empfinden können.

Fallt nicht auf die Glücksversprecher rein!

Aber, ich fürchte, dass es zu viele Glücksversprecher gibt, die uns vorgaukeln, dass bestimmte Lebenssituationen automatisch das große Glück verheißen. Und dass wir zu oft darauf reinfallen. „Finde deine Berufung und du wirst glücklich werden!“ Was ist, wenn ich keine Berufung habe? Mache ich dann etwas falsch? „Kinder sind das größte Glück auf Erden!“. Was ist mit denen, deren Kinderwunsch sich nicht erfüllt? Was ist, wenn mein Kind krank (ich meine jetzt nicht die Windpocken) oder „behindert“ ist, hat mich dann das Leben um mein Glück betrogen? „Mit dem richtigen Partner an deiner Seite wirst du immer glücklich sein!“ Echt jetzt? Mute ich meinem Partner nicht zu viel zu, wenn ich ihn für mein Lebensglück verantwortlich mache? Oder, meine persönliche Nummer 1 der falschen Glücksboten: „Ich zeige dir, wie du spielend jeden Monat ein fünfstelliges Einkommen erzielst und glücklich wirst“. Au Mann, ist Geld sooo wichtig? Für den, der es nicht hat, gewiss. Das ist noch nicht einmal ironisch gemeint, Geldsorgen sind schlimm. Aber: Brauchen wir fünfstellige Monatseinkommen, um glücklich zu sein?

Eine Freundin von mir sagte einmal, das war um unseren 50. Geburtstag, „wenn ich jetzt sterben müsste, könnte ich sagen, ‚ich hatte ein gutes Leben‘.“ Das fand ich toll. Und ich konnte ihr sofort zustimmen. Ja, wenn es jetzt vorbei wäre, hätte ich ein gutes Leben gehabt. Und in meinem Leben sind noch nicht einmal die ganz großen Dinge passiert, was auch immer das sein könnte. Aber auch eben keine großen Katastrophen. Ich finde, bisher hab ich ganz schön viel Glück erlebt. Und darauf haben wir alle ein Recht.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s